Mikroabenteuer heißt seine Möglichkeiten nutzen!

Zeit mal wieder los zu ziehen. Ein bisschen aus dem Alltag raus. Ein bisschen Abwechslung für die Augen, nicht mehr Bildschirm, Betondschungel oder die gleichen Wege durch den Stadtpark. Möglichst viel grün, das beruhigt und entspannt und ordentlich schwitzen ist mein Ziel.

Für Samstag bin ich zu einem Junggesellenabschied in Cochem eingeladen. Das ist ca. 160 km weit weg, also die perfekte Gelegenheit um mit dem Rad anzureisen und eine Nacht im Wald zu verbringen.

Viel zeit für die Planung nehme ich mir nicht. Am Freitag würfle ich schnell die Ausrüstung zusammen und packe alles was man noch so für einen JGA braucht ein. Die Taschen sind ein bisschen schwerer als mir normalerweise lieb ist, aber gut ich brauch das Zeug.
Routenplanung, ach was!? Google Navigation ins Ohr, da fährt man zwar nicht unbedingt selbstbestimmt, aber die Fahrradfunktion ist ja nicht so ausgereift, so bleiben die Wege zumindest abenteuerlich

Nach einem schönen Mittagessen mit meiner Frau geht es los. Der bekannte Weg am Rhein entlang nach Worms ist Routine. Aber bei dem perfekten Wetter macht es direkt großen Spaß, der Fahrtwind fühlt sich ein bisschen an wie ein Föhn auf kleiner Stufe. Ich mag das so!
Nach Worms wird es schon besser. Es geht auf unbekannten Wegen durch die Weinberge Rhein-Hessens. Die ersten Kilometer Schotterwege sind auch schnell dabei, so dass ich froh bin aufgrund der Ausrüstung nicht das Rennrad gewählt zu haben. Mit dem kann man zwar auch auf unbefestigten Wegen fahren, aber mit zusätzlichen Gewicht erhöht das die Platten-Wahrscheinlichkeit natürlich stark.

Mit leichtem auf und ab geht es über Alzey an die Nahe und dann nach Bingen an den Rhein. In Bingen wollte ich mir eigentlich gerne eine Pommes gönnen, da das Mittagessen zwar schön aber nicht reichhaltig genug war. Am direkten Wegesrand bin ich aber leider über keine Option, den Energiespeicher aufzufüllen, gestolpert. Also geht es nach zwei Snickers direkt am Rhein auf wunderbarem Untergrund der Sonne entgegen nach Oberwesel.

In der Stadt konnte ich zum Glück bei Italiener noch meine Flaschen auffüllen und mir ein Eis gönnen. Dies war genau der richtige Zeitpunkt, den keine 200 Meter hinter der Eisdiele begann der Anstieg in die Berge des Hunsrück. Statt Abendessen gab es jetzt 500 Höhenmeter über die nächsten 6 Kilometer verteilt. Zugegeben mit dem Gepäck musste ich auf der Strecke schon ganz ordentlich kämpfen. Aber danach wurde ich belohnt, die nächsten Kilometer wurden sanfter und es geht über lange Zeit durch den Wald und weit und breit keine Menschenseele.

Gegen 21 Uhr wurde es langsam Zeit nach einem geeignetem Schlafplatz Ausschau zu halten. Die ersten zwei Versuche waren nicht zufrieden stellend. Ich verlasse ich bei meinen Schlafplätzen immer gerne auf mein Bauchgefühl, dass hat bisher meist am besten funktioniert. Die ersten beiden Plätze sahen vom Weg aus zunächst gut aus, verursachten aber bei näherer Betrachtung Magengrummeln, deshalb weiter suchen.
Der nächste Versuch war dann von Erfolg gekrönt und bestacht nicht zur durch eine Baumstamm-Bank, sondern auch durch ein wunderbares Vogelkonzert dem ich noch bis in die Dunkelheit lauschen konnte. Nach dem Abendessen kam ich noch zu einem kleinen Adrenalinstoß, als ich ein lautes Geräusch hörte, das wie eine sich langsam öffnende Tür in einem Horrorfilm klang, qwiiiickgggggrrrrr. Kopfkino!!! Beim Nachforschen kam ich zum Glück schnell drauf, das es ein Windrad in der Nähe war, das in eine andere Position gefahren wurde.

Nach Sonnenaufgang ging das Vogelkonzert direkt weiter und weckte mich somit mehr als rechtzeitig. Die Nacht war Ok, natürlich habe ich nicht ganz durch geschlafen. In der ersten Nacht in freier Wildbahn bin ich einfach immer noch ein wenig angespannt und lasse mich von meinen Urinstinkten leiten. Aber dafür war ich doch guter Dinge die letzten 35 Kilometer anzugehen. Die Fahrt ging weiter über autofreie Landstraßen und leere Fahrradwege. Am Samstag um 7.00 Uhr ist im Hunsrück irgendwie noch nichts los.
An einem Ferienhaus bei einem netten holländischen Pärchen gab es noch einmal Wasser und einen schönen Plausch. Kurz danach ging es an die Abfahrt Richtung Mosel. Über herrliche Serpentinen waren die hart erarbeitenden Höhenmeter bald zu Nichte gemacht. Dann noch ein bisschen durch das wirklich beeindruckend schöne Mosel Tal und schon bald konnte ich die Burg von Cochem erspähen.
In Cochem selbst gab es dann noch ein zweites Frühstück und die wohl verdiente Dusche. Dann konnte auch schon das volle JGA Programm starten, aber das ist eine andere Geschichte.

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